Nahrungsmittelallergien Casein, Glutein

Der Zusammenhang zwischen neurologischen Störungen und der Ernährung wird aktuell stark diskutiert. Es gibt immer wieder Studien, die das belegen und zahlreiche Erfahrungen von Eltern, die das an ihren Kindern beobachten. Es gibt aber auch noch Zweifel daran. Grund genug, das ausführlich zu diskutieren.

Nahrungsmittelallergien Casein, Glutein

Beitragvon Emma » So 3. Sep 2017, 01:00

Hallo,
Bei meinem Sohn, 11 Jahre, Asperger-Autist, wurden gerade Allergien gegen Kuhmilch (Casein) und Weizen (Glutein) festgestellt.

Aus verschiedenen Gründen haben wir uns an eine (private) Allgemeinmedizinerin gewandt, um eine Magen-Darm-Diagnostik durchzuführen.
Zunächst hat sich bei einer Stuhluntersuchung folgendes herausgestellt: Instabiles Darmmilieu, Hinweis auf entzündete Darm-Schleimhaut (Leaky-Gut-Syndrom) und ein genereller Hinweis auf Allergien gegen Proteine (zunächst aber eigentlich nicht Glutein).
Eine anschließende Blutuntersuchung (IgG-Werte) hat nun aber Allergien gegen Kuhmilch (Casein) und Weizen (Glutein) ergeben. Es wurde auch ein Mangel fast aller Mikronährstoffe im Blut festgestellt (Kalium, Magnesium, Kupfer, Zink, Selen, Jod), aber das ist anscheinend die direkte Folge der entzündeten Darm-Schleimhaut.
Laut Ärztin ergeben diese Laborergebnisse ein für Autisten häufiges Gesamtbild, weshalb gfcf-Diäten auch so oft empfohlen werden.

Die Empfehlung ist nun mindestens ein halbes Jahr auf Milchprodukte ganz zu verzichten und Glutein maximal jeden 4. Tag zuzulassen. Währenddessen den Darm sanieren und dann prüfen, ob Casein und Glutein bei intakter Darm-Schleimhaut wieder vertragen werden. Oder eben wir müssen die Diät danach weiterführen. Die fehlenden Mikronährstoffe werden in der Zwischenzeit substituiert.

Es klingt alles so einfach und zugleich auch recht zuversichtlich… aber die momentanen Folgen lassen mich verzweifeln. Einerseits hat mein Sohn diese Allergien ja offensichtlich nicht gerade erst seit kurzem, andererseits spricht einiges dafür die Ernährungsumstellung möglichst rasch zu beginnen. Allerdings beginnt mein Sohn heuer mit dem Gymnasium – Eigentlich Umstellung genug für ein Asperger-Kind!
Ich habe mir nun das Buch „Die gluten- und kaseinfreie Ernährung für Menschen mit Autismus, ADS/ADHS oder Allergien“ von Susanne Strasser bestellt und hoffe, dass es mir weiterhilft.
Hat noch jemand Tips für mich? Je praktischer umso besser! Ich würde mich auf einen Ideen-Austausch mit anderen betroffenen Familien freuen!

lg Emma
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Re: Nahrungsmittelallergien Casein, Glutein

Beitragvon kleiner Prinz » Di 10. Okt 2017, 01:00

Hallo Emma,

Hast du schon mit einer Ernährungsumstellung begonnen?
Ja, es ist eine sehr komplexe Sache, die sich erstens kaum von einen Tag auf den anderen sinnvoll umsetzten lässt und die zweitens nicht gerade gut mit vielen anderen Umstellungen (also neue Schule bspw.) kombinierbar sind.

Klar, je eher desto besser, aber immer im Rahmen der Möglichkeiten und des Leidensdrucks.
Das von dir geschilderte Krankheitsbild des Darmes ist in der Tat bei autistischen Menschen keine Seltenheit ebenso wie der daraus resultierende Nährstoffmangel: eine klassische Folge einer Dysbiose und der entzündeten Darmschleimhaut.

Hast du eine Anleitung bekommen, wie du den Darm sanieren kannst? Das ist nämlich eigentlich schon eine Wissenschaft für sich finde ich - und ich setze mich schon einige Jahre sehr intensiv mit dem Thema auseinander...

Ansonsten würde ich gerne mit praktischen Tips helfen, tu mir damit aber vermutlich etwas leichter, wenn ich ein paar konkrete Fragen habe.

Was mir so aus dem Stegreif einfällt:

Zuerst mal ein Repertoire an Rezepten haben und können - die eingeschränkte Auswahl an Grundstoffen ist leider in der Praxis oft wirklich sehr gemein und es klappt nicht alles gleich beim ersten Mal.

Für jede Situation und für jedes Essen, das mit einem bestimmten Ritual verbunden ist, eigens einen passenden Ersatz finden. Dabei kommt es weniger drauf an - von heute auf morgen völlig umzustellen, als beispielsweise einfach mal nur die Jause glutenfrei zu gestalten. Und wenn das dann eine neue Gewohnheit ist, eventuell das Abendessen als neues Projekt wählen…

Unterwegs-Snacks vorrätig haben (das sind dann bei uns oft Nüsse - aber wir fahren ein nochmal verschärftes Ernährungskonzept).

Einen Speiseplan aufstellen - das erleichtert vielleicht auch für deinen Sohn die Umstellung, wenn er sich darauf vorbereiten kann, was auf ihn zukommt. Vielleicht sogar im Team, wenn er schon einige Speisen (hoffentlich) akzeptiert hat und diese dann selbst mit-einteilen kann.

Ich würde auch empfehlen ein Protokoll zu führen, weil es erstens mal ermöglicht schnell zu bemerken, wenn etwas nicht vertragen wird und weil es zweitens auch Aufschluss über mögliche andere Veränderungen gibt.
Darauf weise ich hin, weil du diese Diät „nur“ aufgrund körperlicher Symptome in Betracht ziehst - bzw. liest es sich für mich so. Meistens wird sie im Kontext mit Autismus aber angewandt, da sich - sofern die Ursache auch im Darm liegt - mit ihr oft auf spektakuläre Art und Weise Symptome die mit dem Autismus einhergehen verbessern, verändern oder manchmal gar verschwinden. Das bedeutet nicht, dass der betroffene Menschen kein Autist mehr ist, aber es bedeutet für diesen Menschen und auch für das Umfeld oft eine enorme Verbesserung der Lebensqualität - trotz der Einschränkung in der Auswahl des Essens !!!

Was die Empfehlung der Ärztin "Gluten maximal jeden 4. Tag" betrifft, möchte ich unbedingt noch loswerden, dass dies vielleicht bei der Diagnose "Allergie" die gängige Empfehlung ist, aber die gfcf Diät vorsieht mindestens mehrere Wochen komplett auf Gluten zu verzichten. Die Begriffe Gluten-Allergie, Zöliakie, Gluten-unverträglichkeit werden oft etwas durcheinandergewürfelt und dies führt dann zu Unsicherheiten, welche Therapie nun die Richtige ist.

Wäre ich in deiner Situation, würde ich wohl ebenso ein halbes Jahr auf Gluten, wie auf Milch verzichten. Das erst gibt euch nämlich die Chance herauszufinden, ob bei deinem Sohn die Kombination aus leaky gut und Gluten/Casein zu ungünstigen Stoffen im Zentralnervensystem führt, die dort vieles schwerer machen als es sein müsste.

Ich bin gespannt, was du schreibst und hoffe, du musst nicht wieder so lang auf eine Antwort warten. Leider bin ich aber da nicht besonders zuverlässig, da mir immer so viel Leben dazwischen kommt.

Alles Liebe

Kleiner Prinz
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